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Fossil des Monats Dezember 2013

------- Trilobit -------

Pedinopariops  
vagabundus
Struve
Mittel-Devon (ca. 385 Millionen Jahre)
Tafilalt, Erfoud, Marokko
Länge: 18 cm
Foto: M. Schellenberger

 


Trilobiten – wegen ihrer Körperdreiteilung auch „Dreilapper“ genannt – gehören zu einer ausgestorbenen Gruppe meeresbewohnender Gliederfüßer (Arthropoden), die weltweit im gesamten Erdaltertum, vom Unter-Kambrium bis ins Ober-Perm (541-252 Millionen Jahre), verbreitet waren. Sie sind die frühesten Vertreter aller bekannten Gliederfüßer (Arthropoden) und besaßen die ersten, gut entwickelten sensorischen Systeme. Die Augen der Trilobiten sind die ältesten bekannten visuellen Organe im Tierreich. Wegen ihrer weiten Verbreitung oder dem Vorkommen in Faunenprovinzen bilden viele Trilobiten-Arten ausgezeichnete Leitfossilien für die relative zeitliche Einstufung entsprechender Gesteinsformationen.
Charakteristisch und diagnostisch für Trilobiten-Fossilien ist die Ausbildung eines Rückenpanzers, in dessen Grundgerüst aus Protein und Chitin bei fast allen Trilobiten in hohem Ausmaß Kalk eingelagert ist. Elemente der Körperunterseite – wie Spaltbeine oder innere Organe – sind in den wenigsten Fällen erhalten. Je nach Anzahl und Ausbildung der Körpersegmente war der Panzer in seinen Einzelteilen beweglich und konnte zum Schutz der Weichteile zusammengeklappt oder gar zusammengerollt werden. In Anpassung an die Lebensweise im Sediment, auf dem Meeresboden, im Wasser oder in Riffbereichen, gab es unter den Trilobiten ausgesprochene Schwimmer, Sedimentwühler, blinde Formen oder solche mit Facettenaugen. Wie alle Arthro-poden mussten sich die Trilobiten des öfteren häuten bis sie ihr Erwachsenen-Stadium erreicht hatten. So handelt es sich bei den meisten überlieferten Trilobiten nicht um die Leichen der Tiere, sondern lediglich um deren Häutungsreste. Die Größe von Trilobiten variiert stark zwischen wenigen Millimetern bei den kleinsten und ca. 70 cm bei den größten Formen.

Allgemeine Morphologie eines Trilobiten (Rückenpanzer). Verändert nach Clarkson (1998).

Die Facettenaugen der Trilobiten sind – vielleicht mit Ausnahme einiger kambrischer Formen – verkalkt. Die Linse besteht aus einem Kalzitkristall. Meist handelt es sich um Augen mit polygonalen, eng aneinander grenzenden Linsen (holochroal), vergleichbar mit den Augen heute lebender Gliederfüßer. Die Zahl der Einzellinsen kann bis über 15.000 betragen. Seltener sind Augen mit voneinander getrennten Linsen (schizochroal). Hier sind die Einzellinsen größer und weniger zahlreich (bis 400). Pedinopariops vagabundus und mit ihm alle Vertreter der Gruppe der phacopiden Trilobiten besitzen einen solchen, einzigartigen Augen-Typus. Im gesamten Tierreich existiert heute keine vergleichbare Struktur. Das Sehen der Trilobiten war allgemein wahrscheinlich vor allem ein Wahrnehmen von Helligkeitsunterschieden und damit von Bewegungen in der näheren Umgebung. Die schizochroalen Augen der phacopiden Formen hatten allerdings ein gutes Auflösungsvermögen und erlaubten auch das Erkennen von Formen.
Nordwest-Afrika ist berühmt für seinen Reichtum an Meeresfossilien aus dem Erdaltertum. Insbesondere im Antiatlas-Gebirge, aber auch in anderen Teilen Marokkos, treten fossilreiche Gesteine zutage. Trilobiten gehören zu den typischen Fossilien aus diesem Teil Afrikas.

Afrika war zu dieser Zeit Teil des riesigen Südkontinents Gondwana, dem alle heutigen Kontinente der Südhalbkugel sowie Indien und Teile Südchinas und Südostasiens angehörten. Die fossilreichen Ablagerungen Marokkos und angrenzender Gebiete entstanden in Meeren am Rand des westafrikanischen Kontinental-blocks. Die klimatische und paläogeographische Geschichte dieses Gebietes war – aufgrund der Kontinentaldrift – recht wechselvoll. Im Ordovi-zium lag hier noch der Südpol, später, im mittleren Erdaltertum, befand sich die Region dann in gemäßigten bis fast subtropischen Breiten. Der Antiatlas mit seinen fossilreichen, paläozoischen Gesteinen wurde dann während der variszischen Gebirgsbildung vor ca. 300 Millionen Jahren aufgefaltet. Reste dieses großen Gebirgsgürtels gibt es auch in Deutschland z.B. im Harz oder im Rheinischen Schiefergebirge.

Martin Nose

 

 

 

 
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