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Fossil des Monats November 2013

------- Hintere Flosse eines Ichthyosauriers -------

Unterer Jura (ca. 180 Millionen Jahre)
Posidonienschiefer
Holzmaden, Baden-Württemberg Länge der einzelnen Teile: bis zu 30 cm

 

 

Seit dem Ursprung der Landwirbeltiere vor etwa 300 Millionen Jahren sind zahlreiche Gruppen wieder in das Wasser zurückgekehrt. Dies gilt für alle Großgruppen der Landwirbeltiere; bei den Amphibien gibt es rein aquatisch lebende Salamander, unter den Säugetieren sind es die Wale, Seekühe und Robben und bei den Reptilien und Vögeln gibt es zahlreiche Wasserschildkröten, Seeschlangen und an das Leben im Wasser angepasste Vögel, wie etwa die Pinguine. Daneben gibt es gerade bei den Reptilien noch zahlreiche fossile Gruppen, die ganz an das Leben im Wasser angepasst waren, so etwa die Mesosaurier, die Paddelechsen (Sauropterygier), die Mosasaurier (große, mit den heutigen Varanen verwandte, marine Eidechsen) und mehrere Gruppen der Krokodile. Die anatomischen und auch physiologischen Veränderungen, die mit dieser sekundären Rückkehr ins aquatische Milieu einhergehen, sind ebenso vielfältig, wie die systematische Bandbreite dieser Tiere. Keine der anderen Reptil-Gruppen zeigt jedoch derartig weitgehende Anpassungen an eine marine Lebensweise wie die Fischsaurier (Ichthyosauria).
Die Fischsaurier haben, ähnlich den heutigen Delphinen, einen torpedoförmigen Körper, ohne Abgrenzung des Kopfes vom Körper durch einen Hals. Die Schwanzwirbelsäule ist nach unten umgebogen und unterstützt eine Schwanzflosse, die in ihrer Form jener der Fische entspricht. Auch die Extremitäten (Arme und Beine) sind in Paddel umgewandelt, wie das Fossil des Monats zeigt. Die typische Konfiguration eines Landwirbeltier-Beines, mit einer Unterteilung in Oberschenkel, Schienbein und Wadenbein, Fußwurzel und Zehenstrahlen, ist nur noch bei genauer Betrachtung erkennbar. Der etwas massivere, längliche Knochen an der Basis des Beines entspricht dem Oberschenkelknochen, aber die anderen Elemente haben alle eine sehr ähnliche Morphologie und sind als abgeplattete, scheibenförmige Knochen ausgebildet. Nur die Anzahl und Anordnung zumindest der körpernahen Elemente entspricht noch jener der Knochen im Skelett eines Landwirbeltieres. Dementsprechend sind die direkt unter dem Oberschenkelknochen liegenden Knochen als Schienenbein und Wadenbein anzusprechen, und die nächsten drei Knochen entsprechen den üblichen drei körpernahen (proximalen) Fußwurzelknochen, dem Tibiale, Fibulare und dem Intermedium. Darunter werden die Entsprechungen dann unklar; die Anzahl der Zehen ist auf vier reduziert und eine Unterscheidung zwischen Mittelfußknochen und Zehen ist nicht erkennbar.
Auch in ihrer Lebensweise zeigen die Ichthyosaurier weitgehende Modifikationen, so waren diese Tiere lebendgebärend und vermutlich warmblütig.
Die Ichthyosaurier treten im Fossilbericht in der Trias auf (vor ca. 245 Millionen Jahren). Die Anpassung an das Leben im Wasser verlief offenbar sehr schnell; bereits die ersten bekannten Vertreter der Gruppe zeigen weitgehende Modifikationen, und erst in den letzten Jahren wurden frühe Ichthyosaurier gefunden, die zumindest in einigen Merkmalen Übergangsstadien erkennen lassen. Schnell verbreiten und divesifizieren sich die Ichthyosaurier, und bereits in der oberen Trias kommen gigantische Formen vor, wie Shonisaurus, der über 20 m Körperlänge erreichte. Im Jura waren die Ichthyosaurier weltweit verbreitet und artenreich, aber bereits in der unteren Kreide geht ihre Diversität stark zurück, und die Gruppe stirbt am Beginn der Oberkreide (vor ca. 94 Millionen Jahren) ohne Nachkommen aus – also lange vor dem Aussterben der Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren.

Oliver Rauhut

 

 
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