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Fossil des Monats Februar 2012

------- Platte mit zahlreichen Turmschnecken -------

Turritella sp.
Alter: Mittleres Miozän, Badenium,
ca. 15 Millionen Jahre
Fundort: Weitendorf, Steiermark,
Österreich
Plattengröße: 16 x 25 x 5 cm
BSPG 1975 I 158

 

Die heutige Turmschnecke Turritella communis in Lebendstellung, eingegraben im Sediment, mit Bewuchs durch eine Seeanemone (aus Willmann 1989).
Vor 15 Millionen Jahren waren Teile Österreichs von einem Meer bedeckt, das eine reiche Lebewelt beherbergte, darunter viele Muscheln und Schnecken. Das Fossil des Monats Februar ist eine Ansammlung von Turmschnecken der Gattung Turritella (übersetzt: „Türmchen“) in einem dunklen, feinkörnigen Sandstein, der dort zu dieser Zeit abgelagert wurde. Diese Schnecken zeichnen sich durch ein schlankes, turmförmiges Gehäuse mit einer Länge von bis zu 5 cm aus. Die Gehäuse bestehen aus zahlreichen, allmählich an Größe zunehmenden Umgängen. Die einzelnen Windungen sind gerundet und mit Spiralrippen und feinen Anwachsstreifen versehen. Außer den Turmschnecken enthält das Gestein noch Schalen anderer Schneckenarten sowie Bruchstücke von Muscheln. Turritella ist eine noch heute vorkommende Meeresschnecke, die zum Beispiel auch in der Nord- und Ostsee lebt. Die Gruppe der Turmschnecken (Turritellidae) gibt es ab der Kreidezeit, seit etwa 140 Millionen Jahren. Besonders häufig sind sie in der Erdneuzeit, dem Känozoikum. Anders als die meisten Schnecken, die auf dem Boden kriechen, leben Turritellen im Meeresboden eingegraben. Ihre Mündung befindet sich direkt unter der Oberfläche des Meeresbodens, während die Gehäusespitze etwas tiefer liegt. Turritella ist ein sogenannter Strudler, das heißt, sie erzeugt unter Zuhilfenahme ihres muskulösen Fußes einen Wasserstrom, dem sie dann Nahrungspartikel und Sauerstoff entnimmt. Die heute lebende Art Turritella communis lebt oft in Symbiose mit einer Seeanemone (Vertreter der Nesseltiere), die am Mündungsrand sitzt. An fossilen Schalen kann eine solche Symbiose jedoch nicht mehr nachgewiesen werden.
Die Häufigkeit und die recht stattliche Größe der Turmschnecken deuten darauf hin, dass die Lebensbedingungen zur Zeit der Ablagerung des Gesteins gut waren. Offenbar gab es eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen.  

A. Nützel & M. Küstner

 

 
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