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Fossil des Monats April 2011

------- Frühes Bärlappgewächs -------

Asteroxylon elberfeldense Kräusel et Weyland, 1926
Mitteldevon, Givet (ca. 380 Millionen Jahre)
Wuppertal-Elberfeld, Steinbruch am Kirberg
Breite des Stücks: 29 cm

 


Die Bärlappgewäche (Lycophyta) sind in der heutigen Flora – auch hierzulande – mit drei Ordnungen, den Bärlappen (Lycopodiales), Moosfarnen (Selaginellales) und Brachsenkräutern (Isoetales), vertreten. Alle sind kleine, krautige Pflanzen von nur wenigen cm Höhe. In der geologischen Vergangenheit haben die Bärlappgewächse allerdings auch baumförmige Vertreter von bis zu 30 m Höhe hervorgebracht, von denen eine Gruppe, die Lepidodendrales, bis heute für uns von Bedeutung ist, da sie vor etwa 300 Millionen Jahren (im Karbon) einen wesentlichen Anteil der Biomasse produzierte, die mit der Zeit zu Steinkohle wurde und bis heute abgebaut und verheizt wird.

 

 

 


Die Anfänge der Evolution der Bärlappgewächse lag allerdings noch weiter zurück, im Silur/Devon, also vor mehr als 400 Millionen Jahren. Man kennt recht viele Fossilien von Bärlappgewächen (bzw. ihren Vorläufern) aus dem Silur/Devon, und kann dadurch heute die frühe Evolution dieser Pflanzengruppe recht gut nachvollziehen. Von besonderer Bedeutung ist die Gattung Asteroxylon Kidston et W.H. Lang, 1920, eine kleine Gruppe so genannter Praelycophyten („Bärlappgewächs-Vorläufer“), deren Vertreter zwar insgesamt bereits in etwa so aussahen, wie heutige Bärlappgewächse, die aber noch nicht alle charakteristischen Merkmale dieser Pflanzengruppe aufwiesen. Ein Vertreter aus der Gattung Asteroxylon, A. mackiei Kidston et W.H. Lang, 1920 aus dem berühmten unterdevonischen Rhynie Chert (ca. 400 Millionen Jahre), ist sogar in vollständig anatomischer Erhaltung bekannt, und erklärt den wissenschaftlichen Namen der Gattung: Asteroxylon (= Sternholz) bezieht sich auf das sternförmig angeordnete Wasserleitungsgewebe im Zentrum der Achsen dieser Pflanze. Neben A. mackiei aus dem Rhynie Chert gibt es noch einen zweite Form, die auf Grund oberflächlicher Ähnlichkeiten zusammen mit A. mackiei in die Gattung Asteroxylon gestellt wird, nämlich A. elberfeldense Kräusel et Weyland, 1926 aus dem Mitteldevon (ca. 380 Millionen Jahre). Diese Pflanze ist allerdings bislang nur in Abdruckerhaltung bekannt, und ihre verwandtschaftliche Beziehung zu A. mackiei sowie ihre exakte Stellung im System der Pflanzen sind bis heute unklar.

Das Fossil des Monats April 2011 zeigt eine typische Platte mit mehreren Achsen von Asteroxylon elberfeldense aus dem Mitteldevon von Wuppertal-Elberfeld in Deutschland. Man erkennt auf der Platte eine Vielzahl von Bruchstücken verzweigter Achsen bis zu 0.5 cm breit, die zum Teil mit winzig kleinen, blattartigen Auswüchsen (Appendices) besetzt sind. Neben diesen Achsen findet man auf der Platte noch einen zweiten, sehr viel dünneren Achsentyp, dem die Appendices komplett fehlen. Ursprünglich glaubte man, dass diese dünnen Achsen die oberen Teile von A. elberfeldense darstellen; heute weiß man aber, dass es sich zumindest bei einem Teil der dünnen Achsen um eine zweite Pflanze handelt, die Stolbergia spiralis Fairon, 1967 genannt wird.

Alle echten Bärlappgewächse zeichnen sich durch den Besitz so genannter Mikrophylle aus. Mikrophylle sind kleine, meist linealische Blätter, die von nur einer einzigen unverzweigten Ader versorgt werden. Bei Asteroxylon elberfeldense gibt es solche Mikrophylle nicht, weswegen diese Form zu den Praelycophyten (s.o.) gestellt wird. Die kleinen Appendices, die man an den größeren Achsen im Fossil des Monats erkennt, sind lediglich einfache Auswüchse der Oberfläche, die aber nicht von einer Ader versorgt werden. Diese Auswüchse dienten der Vergrößerung der Achsenoberfläche und damit der Steigerung der Photosyntheseleistung.

Asteroxylon elberfeldense wird als eine bis zu 1 m hoch werdende Pflanze rekonstruiert, die im Mitteldevon die Uferbereiche flacher Seen und Wasserläufe besiedelte. Neben Deutschland, von wo die best erhaltenen Stücke bekannt sind, kennt man Fossilien dieser Pflanze auch aus Schottland und Norwegen.      

M.K.

 

 
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