Loc Start
Decrease font size  Default font size  Increase font size 

Fossil des Monats: November 2010

------- Schädeldach einer Antilope Miotragocerus monacensis -------

BSPG 1923 I 9
Alter ca. 11 Millionen Jahre (Miozän)
Isarbett, Unterföhring (München)

Foto: M. Schellenberger
© Paläontologisches Museum München

cc

Das Fossil des Monats November 2010 ist ein echtes Münchner Kindl und darüber hinaus ein historischer Bestandteil der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, der glücklicherweise den zweiten Weltkrieg überlebt hat. Der hier ausgestellte Schädelrest einer ausgestorbenen Antilope wurde 1922 beim Bau der Wasserkraftanlage Mittleren Isar aus den voreiszeitlichen sandigen grünlichen Tonen, auch als Flinz bekannt, in Unterföhring aus zwölf Metern unter der Flusssohle geborgen und der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie überbracht. Da es sich damals um den ersten Fund dieser Hornträger-Gattung handelte, wurde er in einer Arbeit von 1928 vom damals zuständigen Hauptkonservator und Wirbeltierpaläontologen Ernst Freiherr Stromer von Reichenbach benannt und als Referenzstück (Holotypus) für die Gattung Miotragocerus sowie die Art M. monacensis festgelegt. Mit dem lateinischen Namen „monacensis“ würdigte er den Herkunftsort München.

Antilopen sind wie auch Rinder Hornträger und gehören zu den Paarhufern. Ihr heutiger natürlicher Lebensraum erstreckt sich über Afrika und die südlichen Teile Asiens in warmen Klimaten. Zu Beginn ihrer Entwicklungsgeschichte vor rund 20 Millionen Jahren (frühes Miozän) breiteten sie sich so schnell über Afrika, Asien und auch Europa aus, dass die ältesten Fossilfunde auf allen drei Kontinenten aus etwa gleich alten Gesteinen stammen und keine Auskunft über den Entstehungsort der Antilopen geben. Mit  70 bis 80 Arten sind die Antilopen neben den Hirschen die artenreichsten pflanzenfressenden Großsäuger der Gegenwart, doch Fossilfunde lassen darauf schließen, dass sie den Höhepunkt ihrer Artenvielfalt längst und zwar noch vor dem Eiszeitalter erreicht haben.

Antilopen sind wie auch Rinder Hornträger und gehören zu den Paarhufern. Ihr heutiger natürlicher Lebensraum erstreckt sich über Afrika und die südlichen Teile Asiens in warmen Klimaten. Zu Beginn ihrer Entwicklungsgeschichte vor rund 20 Millionen Jahren (frühes Miozän) breiteten sie sich so schnell über Afrika, Asien und auch Europa aus, dass die ältesten Fossilfunde auf allen drei Kontinenten aus etwa gleich alten Gesteinen stammen und keine Auskunft über den Entstehungsort der Antilopen geben. Mit  70 bis 80 Arten sind die Antilopen neben den Hirschen die artenreichsten pflanzenfressenden Großsäuger der Gegenwart, doch Fossilfunde lassen darauf schließen, dass sie den Höhepunkt ihrer Artenvielfalt längst und zwar noch vor dem Eiszeitalter erreicht haben.

Miotragocerus monacensis ist einer der Belege dafür, dass auch Bayern einmal Heimat für Antilopen war. Zur damaligen Zeit im Miozän vor circa 11 Millionen Jahren war es hier noch deutlich wärmer. Auch Nashörner und Elefanten fühlten sich sehr wohl. Miotragocerus war aber nicht nur hier heimisch, sondern mit verschiedenen Arten von Spanien bis China verbreitet und damit eine der dominierenden Gattungen der damaligen Antilopen. Sie waren, wie wir von vollständigen Skelettfunden aus Baden-Württemberg wissen, an eine semiaquatische Lebensweise angepasst, verbrachten also viel Zeit am und im Wasser.

Wie alle Hornträger besaß auch Miotragocerus monacensis Hörner bestehend aus einem knöchernen Schädelfortsatz, der zu Lebzeiten eine fossil nicht erhaltungsfähige Hornscheide trug. Ein Kennzeichen dieser Art, definiert durch den ausgestellten Holotyp, sind die seitlich komprimierten Hornzapfen, die vorne mit einem im oberen Teil konkaven Kiel versehen sind und direkt über den Augenhöhlen saßen.

Der Fund von Miotragocerus monacensis im Isarbett von Unterföhring lieferte vor fast 90 Jahren einen wichtigen Beitrag zur Vervollständigung des Bildes der voreiszeitlichen Fauna Bayerns und der frühen Evolution der Antilopen in Europa. Die zunehmende Klimaverschlechterung im Vorfeld des Eiszeitalters führte, wie bei allen anderen großen Säugetieren dieser Zeit, auch zum Aussterben von Miotragocerus.


 

 
E