Der "Schwäbische Vulkan"

Im Tertiär, einem Zeitraum, der vom Beginn der Eiszeiten bis rund 65 Millionen Jahre in die Vergangenheit zurück reicht, wurde Europa tiefgreifend umgeprägt. Im Süden entstanden durch den Zusammenstoß der Afrikanischen und der Europäischen sowie dazwischen liegender Mikroplatten die Alpen. Die Folgen dieser Kollision reichten bis weit in den Norden.
Die Böhmischen Masse hob sich entlang von Störungsflächen wie der fränkischen Linie und dem Donau-Randbruch. In Südwestdeutschland und Ostfrankreich führten Dehnungs-bewegungen zur Bildung des Oberrheingrabens. Entlang von tiefreichenden Störungszonen drang Magma in die Erdkruste vor und zum erstenmal nach einer Pause von rund 200 Millionen Jahren gab es in ganz Süddeutschland Vulkane.
Südöstlich von Stuttgart, eingeklemmt in ein enges Tal der Schwäbischen Alb liegt die Stadt Urach. Im Umkreis von 25 km um Urach sind mehr als 300 vulkanische Durchschlagröhren, sogenannte Diatreme, bekannt. Die Diatremfüllung besteht aus Gesteinstrümmern zwischen Sandkorn- und Hausgröße, aus vulkanischer Asche und mancherorts auch aus später in die Diatremfüllung eingedrungener grauschwarzer Lava. Die Diatreme sind das Ergebnis explosiver Vulkanausbrüche vor rund 16 bis 17 Millionen Jahren.
Aufsteigendes Magma geriet mit dem Grundwasser der Schwäbischen Alb in Kontakt, der entstehende Wasserdampf dehnte sich explosionsartig aus und sprengte in mehreren Schüben das trichterförmige Diatrem aus. In einigen der Diatreme drang im weiteren Verlauf des Magmatismus erneut Magma ein, das wahrscheinlich nicht mehr die Erdoberfläche erreichte.
Die Diatreme sind durch Erosion in den unterschiedlichsten Niveaus angeschnitten. Auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb sind die Vulkanschlote als Senken im Gelände sichtbar. Da sie im Gegensatz zum verkarsteten Kalkstein der Umgebung Wasserspeicher sind, sind auf ihnen fast alle Dörfer der Uracher Alb gebaut. In einigen der Vulkanschlote des Uracher Vulkangebietes haben sich nach dem Erlöschen der vulkanischen Aktivität Maarseen gebildet, deren Ablagerungen eine reichhaltige fossile Fauna und Flora erbracht haben.
Im Vorland der Schwäbischen Alb ragen die Diatremfüllungen im weicheren Nebengestein als Härtling heraus. Heute noch ist die geothermische Tiefenstufe mit elf bis achtzehn Meter pro Grad Celsius erniedrigt. Es gibt zahlreiche Thermalquellen.

Photo: M. Kölbl-Ebert
Die zwei Erscheinungsformen des Schwäbischen Vulkans:
Im Vordergrund das weitgehend intakte Randecker Maar; im Hintergrund die Limburg - Rest einer
Schlotfüllung. Der Berg gibt Einblick in die tieferen Bereiche eines Diatrems.
 

Ausflugstips:

Exkursion zum Schwäbischen Vulkan

Anfahrt über A8 Richtung Stuttgart, Ausfahrt Aichelberg. Auf der Landstraße über Weilheim und Hepsisau hinauf ins Randecker Maar:
Das Randecker Maar ist einer der größten Schlote des Schwäbischen Vulkans. Es wird im Norden vom Zipfelbachtal (hier verläuft die Straße) angeschnitten und die Erosion hat bereits einen großen Teil der Seesedimente der Kraterfüllung ausgeräumt. Vom Kraterrand hat man einen Blick auf die Limburg bei Weilheim, einen weiteren Schlotrest, der im Albvorland als Härtling herauspräpariert ist.
Wenige hundert Meter weiter die Straße auf die Albhochfläche hinauf trifft man auf das Torfmoor am Otto-Hoffmeister-Haus. Unter diesem liegt ein weiterer Schlot. Das vulkanische Gestein ist ein Wasserstauer auf der ansonsten verkarsteten Albhochfläche.
Weiterfahrt zurück über Weilheim, Nabern nach Owen. Dort dem Schild "Zur Teck" folgen. Oberhalb der Haarnadelkurve befinden sich entlang eines geringfügig verwachsenen Fußweges zahlreiche Aufschlüsse in den Schlotbrekzien, Lapillituffen und Olivin-Melilithit-Gängen des Hohenbol.
Zurück über Owen Richtung Beuren. Gegenüber dem Freilichtmuseum Beuren befindet sich ein kleiner aufgelassener Steinbruch in lockeren Lapillituffen.
Weiter über Beuren nach Neuffen. Von dort über die Neuffener Steige zur Albhochfläche. Kurz vor der höchsten Stelle befindet sich links ein aufgelassener Steinbruch. In der Zufahrt zu diesem ist ein Vulkanschlot mit seinem Kontakt zum Nebengestein aufgeschlossen.
Zur Abrundung des Ausflugs empfiehlt sich ein Besuch im Thermalbad in Beuren.

Photo: M. Kölbl-Ebert
Chaotische Schlotfüllung des Diatrems an der Neuffener Steige im Kontakt zum Nebengestein (rechts).
Der Aufschluß ist als Naturdenkmal geschützt.

Literatur:

Das Randecker Maar - Ein fossiler Kratersee am Albtrauf.- Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde, Serie C, Nr. 43.