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Fossil des Monats November 2012

------- Skelett einer Rechengebißechse -------

BSPG 2012 I 15

Stereosternum tumidum Cope, 1886
Unteres Perm (Cisuralium), Artinskium,
Irati Formation (ca. 277 Mio. J.)
wahrscheinlich São Paulo, Paraná-Becken, Südbrasilien,
Länge: 62 cm

 

Die Rechengebißechsen waren eine kleine, sehr spezialisierte Gruppe aquatischer Saurier, die man vorläufig zu einer Schwestergruppe der modernen Reptilien, den Parareptilien, stellt. Mit einem halben Meter Gesamtlänge gehören sie zu den kleineren, auf den ersten Blick wenig spektakulären Sauriern. Sie sind jedoch in mehrerlei Hinsicht interessant, da sie als erste Landwirbeltiere wieder zu einer permanent aquatischen Lebensweise zurückgekehrt sind. Dazu hatten sie einen langen Ruderschwanz, der mehr als die halbe Gesamtlänge einnahm, und verkürzte Arme und Beine, die als Paddel dienen konnten. Das Gebiß bestand aus hunderten kleiner spitzer Zähne und das Tier konnte mit diesem Filterorgan Kleintiere aus dem Wasser herausfiltern. Die Nahrung dürfte im wesentlichen aus kleinen Krebsen und anderen Kleinorganismen bestanden haben, die zahlreich in den gleichen Seeablagerungen gefunden wurden. Neuerdings hat man bei einer Rechengebißechse einen fossilen Embryo im Bauchraum gefunden und es wird spekuliert, dass sie vielleicht lebendgebärend waren. Darüberhinaus sind die Rechengebiß-echsen auch historisch interessant, weil sie den nachbarlichen Zusammenhang der Kontinente Afrika und Südamerika im Zeitalter des Perm aufzeigen. Die Vorkommen beschränken sich dabei auf ein riesiges Brackwasserbinnenmeer, das sich von Brasilien bis Südafrika erstreckte.


Die bisher drei bekannten Gattungen der Rechengebißechsen unterscheiden sich nicht nur in Details ihrer Anatomie sondern wesentlich auch in ihrem Lebensraum: Brazilosaurus, die bisher seltenste Gattung, hielt sich vor allem im flacheren Küstenbereich des Sees auf. Stereosternum wurde ebenfalls im Flachwasserbereich aber in größerer Zahl gefunden und scheint mit seinen stark verdickten Rippen deutlich besser an das Wasserleben angepasst gewesen zu sein als Brazilosaurus. Verdickte – also schwerere – Rippen sprechen für eine tauchende Lebensweise; man findet diese Anpassung bei einer Reihe von tauchenden Vierfüßern, wie zum Beispiel den Seekühen (►Erdgeschoß). Auch andere fossile Reptilien, wie die Pachypleurosaurier (►3. Stock) und manche Pflasterzahnechsen  aus der Triaszeit zeigen diese Anpassung. Die dritte Gattung der Rechengebißechsen, nämlich Mesosaurus (►Sonderausstellung Afrika) findet man ausschließlich im landfernen Tiefwasserbereich. Auch sie besitzt verdickte Rippen und darüberhinaus die zahlreichsten und längsten Zähne.
In der Gegend São Paulo in Südbrasilien sind Reste von Stereosternum nicht selten; allerdings besteht nur etwa ein Drittel der Funde aus vollständigeren Skelettresten. Dies liegt an der Einbettungsgeschichte, die in küstennäheren Gewässern überwiegend durch stärkere Strömungen und Sturmereignisse beeinflusst wird und zur Zerlegung und Verstreuung der Skelette führt, und an der Fossilisation, die bei Karbonatmangel nur unvollständig abläuft. Das vorliegende Exemplar stammt aus einer karbonatreichen küstenferneren Ablagerung und repräsentiert ein relativ großes Individuum.

M. Moser

 

 
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